Berichte Angeltörn auf der Ostsee vom 17.05. bis 22.05.2008

Eine steife Brise aus Nordost und schräg peitschender Regen von der aufgewühlten See hüllt Heiligenhafen, den Ausgangspunkt unserer Angelreise, in einen grauen Schleier, als wir am Nachmittag des 17. Mai gegen 14.30 Uhr dort eintreffen.

Schietwetter, das uns -uns das sind 18 Angelsportfreunde (Gerhard H., Peter S., Norbert M., Horst B., Erich G., Ingo S., Herbert R., Erik H., Claus W., Walter T., Michael Sch., Reinhold und Anne K., Karl-Heinz R., Christian F., Manfred I., Ludwig S. u. Bernhard D.) vom „ASV Kellmetschweiher“ Böhl-Iggelheim-, ab der Autobahnraststätte Harz, ehemals Seesen, dem schon gewohnten Zwischenstopp an der A1 zwischen Kassel und Hannover gelegen, für den Rest der Reise nach Heiligenhafen begleitete.

Nicht gerade die besten Aussichten für einen vor uns liegenden 5-tägigen Angeltörn auf dem uns schon lange vertrauten Angelkutter MS „Nickelswalde“.

Doch schon nach den ersten Gehversuchen, die uns wie immer in das direkt am Hafen liegende Angelfachgeschäft „Baltic Kölln“ führten, es könnte ja noch was fehlen, dem anschließenden ersten „kühlen Bierchen“ und dem Verzehr eines leckeren Herings-, Matjes-, Lachs- oder  Krabbenbrötchen, hob sich die Stimmung zusehends. Nachdem auch unsere Bleibe für die nächsten Tage, die MS „Nickelswalde“ alsbald bezugsfertig und auf Vordermann gebracht an der Mole vor dem Fischereihafen festmachte, um uns Landratten an Bord zu nehmen, war Allen anzumerken, dass das Abenteuer „Hochseeangeln“ mal wieder von jedem Besitz ergriffen hatte.

Dies wurde durch die freundliche Begrüßung der Schiffscrew, allen voran Käpt`n Thomas N., der uns in seiner unnachahmlich gewohnt norddeutschen „temperamentvollen“ Art, lediglich Windstärke 3 bis 4, bestes Angelwetter, guten und reichlich Fisch prophezeite, bei einem kleinen hergerichtetem Imbiss an Bord, weiter verstärkt.

In Gedanken an gekrümmte Ruten, dicke Dorsche und die mitgebrachten Kühlboxen schon voll leckerer Filets vor Augen und angesichts des vorhergesagten ausbleibenden Wellengangs, -den mache von uns auch nach dem 19-ten mal immer noch nicht abkönnen-, machten wir uns gemeinsam, der Tradition folgend, zum gemeinsamen Abendessen, auf in das direkt am Hafen liegende Fischlokal „Nordpol“.

In maritimer, rustikaler Atmosphäre genossen wir ein reichhaltig aufgebautes „Fischbuffet“, das keine Wünsche offen lies und vielen schon am ersten Abend ein Zwicken und Drücken in der Magengegend verursachte. Satt, zufrieden und gestärkt kehrten wir nach dem fürstlichen Mahl auf „Unser“ Schiff zurück, um den ersten Tag in gemütlicher Runde an Bord ausklingen zu lassen.

Nach einer kurzen aber doch relativ ruhigen Nacht, wurde ein Teil der müden Krieger erst durch das dröhnende Motorengeräusch des starteten Dieselmotors und dem Scheppern diverser Befestigungsleinen und dem Rattern der Ankerkette gegen 06.00 Uhr  aus dem Schlaf gerissen. Für viele viel zu früh! Doch das bereits aufgebaute Frühstücksbuffet, bestückt mit frischen Brötchen, heiß dufteten Kaffee oder Tee, diversen Wurst u. Käsesorten, verschiedenen Marmeladen und Müslivariationen und wohlschmeckenden Rühreiern mit Speck, entschädigte für die doch viel zu kurze Nachtruhe.

Während wir so versonnen und voller Erwartungen unseren Tagträumen bei einer letzten Tasse Kaffe entgegenfieberten, Seemansgarn wurde auch gesponnen, hieß es für Käpt´n Thomas und seine Mannschaft bereits „Leinen Los“ und volle Fahrt voraus. Durch die am Horizont immer näher rückende Fehmarnsundbrücke stampfte das Schiff durch die leicht gekräuselte See, unserem Ziel, den Fanggründen vor der zu Dänemark gehörenden Insel „Valster“, nordöstlich von Heiligenhafen gelegen, entgegen.

Sechs Stunden Fahrt bei vorausgesagter mäßiger Windstärke und annehmbaren Temperaturen lagen vor uns, die wir mit allen möglichen Fachsimpelleien und Erwartungshaltungen verbrachten. Natürlich wurde die Zeit auch genutzt, die Angelruten zu richten, die Haken der Pilker  nochmals nachzuschärfen, die Beifänger zu montieren und die übrigen Angelutensilien griffbereit an Deck zu vertäuen.

Unser bayrischer Angler Karl-Heinz besitzt hier die uneingeschränkte Vorherrschafft, was die Platzwahl der zu verstauenden Gerätschaften betrifft!

 

Dann endlich, nach einem ersten gemeinsamen Mittagessen an Bord das allen mundete (dem Koch, sorry an Bord heißt der ja Smutje, sollte bereits an dieser Stelle ein ganz großes Lob gezollt werden), der ersehnte erste  Angelstopp, angekündigt durch das Drosseln des Motors und Verlangsamung der Fahrt. Thomas der Kapitän gab über Lautsprecher die Wassertiefe, Strömung, Windrichtung (seit langen mal kein „Ooostenwind“) usw. bekannt und mit dem Ertönen des ersten Hubsignals rauschten 18 Pilker verschiedenster Bauart, Größe, Gewicht, Farbe und Form, in die Tiefe der Ostsee.

Den Blick starr aufs Wasser gerichtet, dort wo die geflochtenen und monofilen Leinen ins Wasser tauchten und die Pilker auf dem Boden des Meeresgrundes die Fische verrückt machen mussten, dort lag die gespannte Erwartung und Hoffnung auf den ersehnten ersten Biss.

Hektische Armbewegungen -denn schließlich musste man sich erst mal wieder an den Bewegungsablauf gewöhnen- ließen die Fische wohl die Gefahr erkennen, was zur Folge hatte, das nach Beenden des ersten Stopps, 18 auf dem Meeresboden zuckende Pilker und Beifänger, heil, unversehrt und ohne jegliche Beute am Haken, wieder an Bord zurückgelangten.

Doch schon der nächste Stopp, nach einem vollzogenem  Stellungswechsel, brachte die ersten guten Fische an Bord, was die Stimmung gleich um ein vielfaches in die Höhe schraubte. Es gibt also doch Fisch da unten. Nun erfasste das Angelfieber endgültig alle. Auswerfen, Pilker zum Grund absinken lassen, Bodenkontakt herstellen, Einholen, wieder absinken, sanftes, -nicht mehr dieses hektische Zucken-, ein Vorgang der in null Komma nichts in Fleisch und Blut überging und sich stetig wiederholte. Dazwischen lediglich verstohlene -vielleicht auch neidische- Blicke zum Nachbarn und in die Kisten der Angelkollegen mit dem meisten bzw. größten Fang!

Man(n) experimentiert; Silberne Pilker werden gegen rot-gelb glitzernde, gelbe Gummiwürmer gegen japanrote, weiße gegen schwarze getauscht und auch farblich exotisch wirkende Krabbenimitationen und ebensolche Gummifische kommen zum Einsatz.

Der ganze Inhalt des Angelkoffers und Pilkeimers -und die sind reichlich bestückt- kommt so zum Einsatz. „Ihr müsst zum Grund“, fischt nicht so schwer und räumt die Tannenbäume ab“, -gemeint sind die mit bunten Beifängern überladenen Montagen- oder „Ihr müsst mehr arbeiten, schließlich seid Ihr hier nicht auf einer Kreuzfahrt“, so die Kommentare unseres Kapitän´s. Und der muss es ja schließlich wissen!

Tatsächlich krümmt sich während der nächsten Stunden immer wieder eine der vielen Angelruten und Dorsch um Dorsch findet so den Weg in die bereitgestellten Fischkisten. Zufrieden, glücklich und voller Zuversicht für die noch vor uns liegenden Angeltage, aber auch ziemlich erschöpft, ging so der erste Angeltag, nachdem die Fische versorgt und auf Eis gelegt waren, zu Ende.

Ach ja, die Zufriedenheit, gute Laune und die glücklichen  Gesichter waren auch darauf zurückzuführen, dass wir (außer Einem) Pfälzer dem 1.FCK beim erfolgreichem Kampf gegen den Abstieg aus der zweiten Liga (3 : 0 gegen den 1.FC Köln), neben dem Angeln, ganz fest die Daumen drückten und Tor um Tor, welche uns per Handy live aus dem Stadion übermittelt wurden, mitbejubelten und mitfeierten.

Was folgte, waren 4 weitere herrliche Angeltage bei traumhaft schönem Wetter (Karl-Heinz hat auch bei 30 Grad plus noch den Parka an und Wind geht halt immer), geprägt von Angelspaß pur, guter Laune und jeder Menge guter Fische. Petri sei Dank!

Unterbrochen wurde dieser Angelspaß und für alle einmalige Angeltörn lediglich durch die vor Anker liegenden Abende und Nächte, -aber auch da wurde zum Teil noch gefischt- mit Blick von Backbord auf die weiten gelbleuchteten Rapsfelder und idyllischen Badebuchten der Insel „Valster“ und von Steuerbord auf die offene See mit Blick auf die am Horizont vorbeiziehenden Passagier-, Fracht- und Containerschiffe.

Einzigartige Farbspiegelungen auf dem Wasser, hervorgerufen durch unvergleichliche Sonnenuntergänge, in Verbindung mit dem Leuchten der Sterne am Abendhimmel,  bescherten uns nach erfolgreichem Tagesfang, unvergessene und bleibende Erinnerungen an eine der schönsten Angelreisen (jedenfalls für mich), die wir zusammen in den letzten Jahren gemeinsam unternommen haben. In allabendlicher Runde ließen wir dann die Ereignisse des Tages nochmals Revue passieren um gemeinsam den Tag in geselliger Runde ausklingen zu lassen.

Insgesamt konnten wir auf dieser Reise 661 Dorsche (bester Tagesfang waren 195 Dorsche) über die Reling hieven, deren Durchschnittsgewicht von 2 – 4 kg (der bzw. die größten wogen 5,5 kg bei einer Länge von 89 cm) wunderschöne Filets ergaben und unsere mitgebrachten Kühlboxen reichlich füllten.

Als bester Fänger konnte, -wie schon so oft- „Nobi“ unser Mann an der „Spitze des Schiffes“ allein 85 Dorsche vom Grund des Meeres erbeuten, gefolgt von Sportfreund Reinhold K. mit 50 Dorschen und den Sportfreunden Peter S. u. Bernhard D. mit 49 Dorschen.

Als Dorschkönig glänzte abermals -nach 2007- Sportfreund Erik H., der einen Dorsch von 5,5 kg landen konnte. Super gemacht, Erik;

Das Gepäck voll schöner Erinnerungen, bleibender Eindrücke, jeder Menge leckerer Filets und der Erkenntnis  das nicht immer die ganz großen Fische ein Anglerherz höher schlagen lassen, traten wir ausgeschlafen am Morgen des 22. Mai, nach einem nochmals gemeinsamen Frühstück an Bord die Fahrt nach Hause an und „spinnen“ noch heute, beim Erzählen, „….weißt Du noch, unser Angeltörn 2008“…., und beim Betrachten unzähliger Fotos, so manches Anglerlatein.

Bernhard Dürk